Jahresprogramm
2010

Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar e.V. gegründet 1805



Nachtrag zum ausgefallenen Baarvereins-Vortrag am 28.10. 

über Théo Gerhards 

Der für Donnerstag, 28.10. im Donaueschinger Rathaus auf Initiative des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar vorgesehene Vortrag über den Elsässer Widerstandskämpfer Théodore (genannt Théo) Gerhards musste leider ausfallen. Der Referent, Auguste Gerhards ist leider erst kürzlich einem Krebsleiden erlegen. Er erforschte die Geschichte von Besatzung und Widerstand im Elsass und dabei insbesondere die Lebensgeschichte seines Onkels, nach dem eine Straße in der Donaueschinger Partnerstadt Saverne benannt ist. 

In Zabern wurde der katholische Widerstandskämpfer 1900 als Staatsbürger des Deutschen Kaiserreichs geboren. Er wuchs dort mit einer Unterbrechung in Belgien von 1910 bis 1914 (dort prägende Schulzeit in einer Klosterschule der Marianer) auf. Nach Abschluss der Schulausbildung wurde er in den letzten Kriegsmonaten 1918 in die deutsche Armee zum Etappendienst nach Berlin einberufen. 1919 bis 1921 diente er - nun französischer Staatsbürger - als Wehrpflichtiger bei den französischen Streitkräften. Es folgte die Ausbildung zum Textil-Ingenieur und wechselnde berufliche Einsätze an verschiedenen Orten.

Théo Gerhards
hingerichtet am 29.10.1943
Foto vor 1939

Im November 1930 heiratete er Claire Kannapel aus Saverne und wurde Vater von vier Kindern. Er war seit 1938 Mitglied der Société d’Histoire et Archéologie de Saverne et Environs (SHASE), mit der der Baarverein heute enge Beziehungen unterhält. Ab 1939 lebte er wieder in seiner Geburtsstadt, wo er nach Einsetzen der deutschen Besatzung eine Organisation gründete, deren Mitglieder flüchtige französische Kriegsgefangene und elsässische Deserteure unterstützte. Auch sammelte sie wehrwirtschaftliche Informationen, ohne dabei als Saboteure oder Attentäter aktiv zu werden. !m Sommer 1942 wurde er von der Gestapo verhaftet und nach dem Todesurteil des Reichskriegsgerichts in Berlin wegen Feindbegünstigung und Spionage vor fast genau 57 Jahren am 29.10.1943 im berüchtigten Zuchthaus „Der Rote Ochse“ von Halle an der Saale durch das Fallbeil hingerichtet. Auguste Gerhards hat den Lebensweg seines Onkels in einem 2003 im Verlag Oberlin (Straßburg) erschienenen Buch „Théo Gerhards 1900-1943 Un alsacien en résistance“ nachgezeichnet. Ihm wurde das abgebildete Porträt aus der Zeit um 1939 entnommen. Im Internet ist ein eindrückliches und informatives Interview mit Auguste Gerhards aus dem Jahr 2007 in französischer Sprache abrufbar unter

www.dailymotion.com/video/x1aszv_a-gerhards-morts-pour-avoir-dit-non_dating

 

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