Gérard Imbs / Maurice Kauffer / Daniel Peter / Philippe Wiedenhoff (Hgg.): La guerre des Paysans 1525
, Saverne 2025 (Pays d’Alsace 291 bis), 231 Seiten, 27 €.
Donaueschingen und die Partnerstadt Saverne, vor allem der Baarverein und die „Société d’histoire et d’archéologie de Saverne et environs“ (SHASE) waren 2025 durch das Interesse an einem Geschichtsereignis verbunden, das beide angeht: dem Bauernkrieg. In den Vereinsgebieten hüben wie drüben liegen zwei seiner Schlüsselorte. Seine Anfänge gingen bekanntlich schon 1524 von Stühlingen aus, bei Zabern (wie Saverne damals hieß) kamen die Elsässer Erhebungen im Mai 1525 gewaltsam an ihr Ende. Dazwischen sahen die Baar wie das Elsass Vorgänge von hoher Dramatik. Grund genug also für beide Seiten, sich zum 500. Gedenkjahr mit diesem epochalen Großereignis gründlich zu befassen. Dabei gingen die beiden Vereine unterschiedliche Wege: Während der Baarverein ein Symposium veranstaltete, hat die SHASE in ihrer Schriftenreihe „Études alsatiques“ eine Publikation von 1975 neu aufgelegt.
Vor fünfzig Jahren hatte Alphonse Wollbrett, der Mitbegründer der Société de Saverne und bis 1979 ihr Präsident, einen Sammelband zum Bauernkrieg herausgegeben, der als „le Wollbrett“ hohe Anerkennung fand. Darin wird in 21 Beiträgen das Geschehen an verschiedenen Orten und in verschiedenen Gegenden dargestellt, nicht nur bei Zabern, Lupstein und Scherweiler, wo die Erhebung blutig endete, sondern auch bei Straßburg und Hagenau, im Outre-Forêt und im Oberelsass. Wollbrett hatte den Weitblick, auch benachbarte Regionen wie die Pfalz, das Saargebiet und die Ortenau einzubeziehen. Damit wird der Band der Tatsache gerecht, dass es im 16. Jahrhundert das Elsass als deutlich abgegrenzte Provinz noch nicht gab, sondern seine Territorien einer weiträumigeren oberrheinischen Geschichtslandschaft zugehörten, die in sich stark differenziert und vielfach vernetzt war. Wollbrett gewann auch Autoren aus Deutschland, unter anderen Peter Blickle, Professor im benachbarten Saarbrücken und seinerzeit der führende Historiker des Bauernkriegs. Blickle arbeitet in seinem Beitrag die besondere Rolle des Elsass beim Entwurf einer korporativ-bündischen Herrschaftsordnung heraus. Auch Regionen jenseits der Sprachgrenze werden behandelt: Ein Aufsatz, 1976 nachgereicht, geht an die „Ränder der germanischen Welt“ und untersucht die Bauernerhebungen in der Grafschaft Montbéliard und Nachbargebieten. Ein Beitrag über Lothringen war geplant, kam 1975 aber nicht zustande und wurde erst für den Neudruck verfasst. Thematische Zugriffe ergänzen die Darstellung örtlicher Ereignisse. So wird die Wirkung der Zwölf Artikel von Memmingen auch für das Elsass erörtert, und mit dem „predigenden Gärtner“ Clemens Ziegler sowie Joselmann von Rosheim, dem „Befehlshaber der Judenschaft“, treten einflussreiche Zeitgenossen ins Licht.
Für den Neudruck wurden die Texte gründlich durchgesehen und drei Beiträge, die 1975 noch auf Deutsch erscheinen konnten, ins Französische übersetzt. Die Bildauswahl wurde konsequent auf Stiche und Zeichnungen des 16. und 17. Jahrhunderts beschränkt, was dem Sammelband ästhetische Einheitlichkeit und zeittypische Aura verleiht. Enthalten sind zwei Karten der Schlachten von Zabern und Scherweiler sowie eine historische Karte des Westrichs; eine Karte des gesamten behandelten Gebiets vom Sundgau bis zur Pfalz wäre ebenfalls nützlich gewesen. Es fehlt auch ein Register der Orts- und Personennamen, von denen sich viele über die Artikel hinweg wiederholen.
Mit einer Ausnahme spiegeln die Aufsätze den Forschungsstand von 1975 wider. Das ist lang her. Die Herausgeber werden Gründe dafür gehabt haben, einen vergriffenen Schriftenband wieder aufzulegen, anstatt ein neues Werk zu konzipieren, das die umfangreiche Forschung zum Bauernkrieg seither und insbesondere die 2024 zum Gedenkjahr erschienenen „Meistererzählungen“ etwa von Schwerhoff, Kaufmann oder Roper rezipiert hätte. Gerd Schwerhoff (Der Bauernkrieg – Geschichte einer wilden Handlung) schildert ausführlich die Vorgänge im Elsass, Thomas Kaufmann (Der Bauernkrieg. Ein Medienereignis) verweist auf eine Medienstadt wie Straßburg. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Literatur zum Bauernkrieg vorwiegend auf Deutsch erscheint. Bei elsässischen Historikern setzt man gern voraus, dass sie neue Ansätze auch jenseits des Rheins zur Kenntnis nehmen, für ihre eigene Geschichtsschreibung aufgreifen und so einem französischsprachigen Fachpublikum vermitteln. Wollbrett hatte 1975 diese Erwartung bedient; 2025 blieb sie durch den bloßen Nachdruck unerfüllt.
Neu ist der Aufsatz von Paul-Christophe Abel über den Bauerkrieg im „espace lorrain“. Im Herzogtum Lothringen waren die Bauern vor allem im deutschsprachigen Landesteil, der „Vogtei Deutschland“, in Aufruhr, aber ein dreitägiger Aufstand in Metz schon im Januar 1525 hatte deutlich gemacht, wie „porös“ auch das frankophone Lothringen gegenüber reformatorischer und revolutionärer Agitation aus dem Osten war. Herzog Anton wollte Ordnung, vor allem aber war er ein entschiedener Katholik und unerbittlicher Gegner lutherischer „Häretiker“, zu denen er die aufständischen Bauern zählte. Im Mai 1525 zog er gegen den Herbitzheimer Haufen im oberen Saartal zu Felde. Dieser wich über die Berge zu seinen elsässischen Verbündeten bei Zabern aus. Der Herzog setzte nach, und die Katastrophe nahm ihren Lauf. In Bezug auf die religionspolitischen Absichten des Landesfürsten sowie seine dynastischen Verbindungen zum französischen Hochadel lassen sich nach Abel die Ereignisse in Lothringen und bei Zabern auch als Vorboten der Religionskriege begreifen, die Frankreich im 16. Jahrhundert zerreißen sollten.
Solche Deutungen schärfen den Blick für Grundfragen des Bauernkriegs, etwa die Gewichtung von reformatorischen und sozialrevolutionären Triebkräften. Auch die Reichweite und Rezeption evangelischer Propaganda über die Sprachgrenze hinweg klingt als Fragestellung an. Der Bauernkrieg bleibt Thema für die Historiker. Im Übrigen gilt, dass quellengesättigte Darstellungen auf der Ebene der Orts- und Landesgeschichte bei allem Wandel der Großinterpretationen ihre Gültigkeit behalten, auch wenn sie schon vor über fünfzig Jahren geschrieben worden sind. Solche Darstellungen machen diesen Sammelband aus und bieten ein Gesamtbild der Bauernkriegsereignisse im Elsass und in angrenzenden Landschaften, das an Gründlichkeit nach wie vor kaum zu überbieten ist. Der Wunsch des Präsidenten der SHASE, Daniel Peter, im Vorwort, der Neudruck möge als anspruchsvolle wissenschaftliche Fachpublikation den Erfolg des Bandes von 1975 fortführen, ist daher wohlbegründet.
Michael Tocha

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