Jürgen Dendorfer / Wolfgang Zimmermann (Hg.): Badisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und religiöse Gemeinschaften in Baden und Hohenzollern. Von den Anfängen bis zur Säkularisation. 3 Bände, ca. 2.000 Druckseiten, 128 €, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2025.
Das Angebot an gewichtigen Nachschlagewerken zur südwestdeutschen Kirchengeschichte wird immer vollständiger. Nach St. Peter in der „Germania Sacra“ und dem Handbuch der Stiftskirchen in Baden-Württemberg liegt nun das Badische Klosterbuch vor. Der räumliche Umfang wird durch den Untertitel präzisiert, auch Hohenzollern ist einbezogen, behandelt werden 363 Klöster in der Erzdiözese Freiburg. Wie bei diesem Format üblich, folgt die Beschreibung der einzelnen Einrichtungen einem festen Schema, das in der Einleitung erläutert wird.
An drei Beispielen aus unserer Region lassen sich Eigenschaften und Nutzungsmöglichkeiten des Klosterbuchs aufzeigen. Die Geschichte des Frauenklosters Friedenweiler wird in hoher Dichte dargestellt – die Gründung als Benediktinerinnenkloster im 12. Jahrhundert, der Niedergang, der Übergang an die Zisterzienserinnen 1570, die Aufhebung durch Fürstenberg zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis hin zu dem Pflegeheim, das heute im Klostergebäude untergebracht ist. Ebenso beschreibt der folgende Abschnitt zur Bau- und Kunstgeschichte Kirche und Konventsbauten und zeigt die Herkunft von Kunstwerken und Ausstattungen, etwa dass der Hochaltar und die Seitenaltäre in Teilen aus dem Benediktinerkloster St. Georgen zu Villingen stammen. Die Beschreibung erfasst jedes Detail und lässt kaum Fragen offen. Das Beispiel Friedenweiler belegt den hohen Standard der Texte, deren Aussagen durch sorgsam gezeichnete Karten vertieft werden. Die Zweiteilung der jeweiligen Einträge in einen historischen und einen in etwa gleichgewichtigen bau- und kunsthistorischen Abschnitt macht das Klosterbuch gerade auch für Besucher oder Exkursionsleiter wertvoll, die sich gezielt und fundiert vorbereiten möchten.
Donaueschingen war kein Klosterort, hier gab es nur kurzfristig eine Niederlassung der Piaristen. Sie betrieben bis 1778 das Gymnasium, der Text ist auch ein Beitrag zur Geschichte des höheren Schulwesens in der neuen Residenz. Wem die Piaristen als Orden nicht geläufig sind, der kommt über das entsprechende Stichwort im Register weiter. Verwiesen wird dort auf die einzige andere badische Piaristenniederlassung in Rastatt, dort wird der Orden als bedeutender Schulorden des 18. Jahrhunderts ausführlicher charakterisiert.
Dem Kapitel Villingen ist ein Abriss der Stadtgeschichte mitsamt einer präzisen Karte der mittelalterlichen Stadt vorangestellt. So wird bei allen namhaften Städten verfahren. Der Text verfolgt auch Beziehungen zu Klöstern außerhalb Badens und erinnert damit an Zusammenhänge, die durch die unvermeidbar willkürliche Begrenzung des Untersuchungsgebiets aus dem Blick geraten. Zum Beispiel übte das Dominikanerinnenkloster St. Katharinental im benachbarten Thurgau eine große Anziehung auf das Villinger Bürgertum und seine Töchter aus. Einzeln aufgeführt sind vierzehn klösterliche Niederlassungen in Villingen. Neben den großen Häusern der Franziskaner, Benediktiner, Kapuziner, Johanniter, Dominikanerinnen und Klarissen bzw. Ursulinen sind dies kleinere und zeitlich begrenzte Sammlungen von Frauen, die sich kaum in die historische Erinnerung der Stadt eingeschrieben haben, nun aber durch die Darstellung im Zusammenhang ein neues Gewicht erlangen.
Eine Stichprobe in Bezug auf das Villinger Benediktinerkloster ergibt, dass die Gesamtbibliografie am Ende von Band 3 nur Titel bis zum Jahr 2000 berücksichtigt; Beiträge, die danach vorgelegt worden sind, auch vom Verfasser dieser Rezension, sind nicht aufgeführt. Anzunehmen und zu hoffen ist, dass das geplante Literaturverzeichnis im Netz die fälligen Ergänzungen liefern wird. Überhaupt ist die Online-Veröffentlichung von Buchteilen, die sich ständig in Erweiterung befinden, die Möglichkeit der Wahl, das Lexikon auch in Zukunft auf dem jeweiligen Stand der Forschung zu halten.
Mit seinen anspruchsvollen Darstellungen der Klostergeschichten und den gründlichen Beschreibungen der architektonischen und künstlerischen Überreste, aber auch mit den Verzeichnissen der Quellen und der wissenschaftlichen Literatur richtet sich das Klosterbuch gleichermaßen an interessierte Laien wie an fachkundige Forscher. Die gediegene äußere Aufmachung und die ansprechende Bebilderung verlocken dazu, es aufzuschlagen, zu blättern und zu lesen – in die Hand zu nehmen weniger, dagegen stehen Gewicht und Umfang der drei Bände mit zusammen über 2000 Seiten. Und der Preis wird bewirken, dass das Klosterbuch vor allem in Bibliotheken zu finden sein wird. Die Online-Fassung wird das Werk noch ergänzen, etwa durch Listen der Vorsteherinnen und Vorsteher. Sie kann dazu beitragen, dass das Badische Klosterbuch so verbreitet und genutzt wird, wie es ihm als dem bedeutendsten kirchenhistorischen Nachschlagewerk der letzten Jahre zukommt.
Michael Tocha

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