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Sigrid Katharina Eismann: mein innerer schwarzwald.
Roman. 164 Seiten, € 22,00, danube books Verlag, Ulm 2025.

Die Autorin ist Nachfahrin der Salpeterer aus dem Hotzenwald. Sie wurde im rumänischen Timișoara geboren und lebt heute im deutschen Hanau. Sie begibt sich auf Spurensuche nach ihren Vorfahren und beschreibt in 32 Kapiteln das Leben einiger Salpetererfamilien. Dabei legt sie sich Rechenschaft über ihr eigenes Erbe ab – den „Schwarzwald“ in ihrem Denken und Handeln.

Die Salpeterer (als Kurzform der Salpetersieder) waren eine Gemeinschaft von Freibauern im Hotzenwald im Südschwarzwald. Sie sammelten im 18. Jahrhundert Salpeter, den Rohstoff für die Herstellung von Schießpulver. Die Salpetersieder zogen von Ort zu Ort, kratzten die Ausblühungen von den Stallwänden, den Saliter oder Kalisalpeter. Diese Ausblühungen bildeten sich aus dem Kalk im Boden und den stickstoffhaltigen Exkrementen von Tieren und Menschen. Der so gewonnene Salpeter wurde gründlich gereinigt und in Siedereien zu reinem Kalisalpeter ausgekocht.

Doch diese Menschen waren auch Freiheitskämpfer, sogenannte Freibauern, die sich gegen kirchliche und landesherrliche Unterdrückung erhoben. Insbesondere gegen das Kloster St. Blasien, welches stark durch die Bauern profitierte, und gegen die Habsburger richtete sich der Widerstand. „Damit Ruh‘ ist im Wald“, wurden 1755 siebenundzwanzig Familien, die sich erhoben hatten, donauabwärts deportiert. Ziel war das entvölkerte Sumpfgebiet des Banats bei Temeswar, dem heutigen Timișoara, im östlichsten Zipfel der Habsburgermonarchie. Kaiserin Maria Theresia persönlich hatte die Wasserschübe der „Brandgefährlichen“ auf der Donau in die unwirtliche und menschenleere Gegend am Rande des Reiches befohlen.

Die Erzählung verläuft nicht in linearer Chronologie, sondern springt zwischen drei Zeitebenen: dem Leben im Hotzenwald im 18. Jahrhundert, den Erfahrungen der Autorin im sozialistischen Rumänien unter Nicolae Ceaușescu sowie dem Rumänien des Jahres 2023. Der ständige Wechsel der Zeitebenen macht den Reiz des Buches aus. Er ermöglicht, Jahrhunderte zu verknüpfen und Parallelen herauszuarbeiten. Das wird etwa greifbar, wenn die Protagonistin als Jugendliche einen Brief an den Diktator Ceaușescu übergeben muss. Darin erbittet ihre Familie die Ausreise aus Rumänien. Das Beispiel der Vorfahren, ihr Drang nach Freiheit, der „innere Schwarzwald“ verleihen den Mut zu einem solchen Schritt.

Wort- und sprachgewaltig, manchmal poetisch, lässt Eismann kraftvolle Bilder entstehen. Besonders eindrücklich sind die Briefe, die sie die verbannten Hotzenwälder aus dem Banat in die Heimat schreiben lässt. Die verwendeten Dialekte machen das Lesen teilweise zur Herausforderung. Wer nicht Alemannisch spricht, hat beim Hotzenwälder Dialekt sicherlich seine Schwierigkeiten. Da hilft auch das kleine Glossar am Ende des Buches wenig. Doch genau diese eingestreuten Dialekte machen den Text auf der anderen Seite authentisch.

Die Verschleppung der Hotzenwälder im 18. Jahrhunderts wirft einen Schatten auf das Habsburgerreich. Die Besiedlung des Banats erfolgte keinesfalls freiwillig, sondern war auch eine Geschichte von Entwurzelung und Rechtsbruch, die weiterhin aufzuarbeiten ist. Eismann leistet dazu einen Beitrag, indem sie Geschichte mit eigenem Erleben überblendet. Das Verlangen nach Freiheit, der Widerstand gegen Unterdrückung und die Hoffnung auf ein würdigeres Leben durchziehen und verbinden die Zeitebenen. Diese Haltungen werden durch Erinnerung neu belebt und zum inneren Besitz.

In Eismanns Roman verbinden sich Geschichte und gegenwärtige Erfahrung im zeitlosen Ideal der Menschenrechte mittels einer kraftvollen und originellen Sprache. Ihr Roman ist lesenswert.

Gerhard Echle




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