Wolfgang Proske: Lexikon der kleinen Hitler. Die NS-Kreisleiter in Baden, Württemberg-Hohenzollern und im besetzten Elsass, ca.1928 – 1945
– 145 Seiten – 22 Euro – Kugelberg Verlag – Gerstetten 2024.
Als Ergänzung zu der in den letzten Jahren auf zwanzig Bände angewachsenen Reihe „Täter, Helfer, Trittbrettfahren, in der NS-Belastete aus Baden-Württemberg und Bayern charakterisiert werden, hat der Herausgeber Wolfgang Proske einen schmalen Band über die „kleinen Hitler“ herausgegeben. In ihm werden die NS-Kreisleiter und teilweise ihre Stellvertreter in Baden, Württemberg-Hohenzollern und im besetzten Elsass im Zeitraum von ca. 1928 – 1945 alphabetisch nach Gemeinden und Städten angeordnet vorgestellt.
Gegliedert ist das Buch in einen einleitenden Artikel des Herausgebers mit dem Titel „Die Kreisleiter der Nazis als Stiefkinder der Zeitgeschichtsschreibung“. Es folgt im Einzelnen die Vorstellung der Kreisleiter, der „kleinen Hitler“. Abschließend ermöglicht ein Namensregister einen raschen Zugriff auf die erwähnten Personen.
In seiner, in kurzen Abschnitten gegliederten Einleitung, erläutert der Autor u.a. die Stellung der Kreisleiter in der Parteihierarchie, seinen Aufgabenbereich und seine Einwirkungsmöglichkeiten auf politische Entscheidungen vor Ort. Der, wenn auch etwas provokant formulierte Titel, weist dennoch sachgerecht auf die erhebliche Machtfülle der Kreisleiter in ihrem von der Partei zugewiesenen Wirkungskreis hin. In der Hierarchie der „Hoheitsträger“ des NS-Systems war er zwischen der Gauleitung, die ihn auch eingesetzt hatte, und den Ortsgruppenleitern eingeordnet. Gemäß dem Führerprinzip waren alle unter im angesiedelten Parteiinstanzen (neben den Ortsgruppenleitern noch Blockleiter, Zellenleiter auch die Leiter der angeschlossenen Verbände wie z.B. DAF oder NSV) dem Kreisleiter gegenüber zum Gehorsam verpflichtet. Laut dem Organisationshandbuch der NSDAP war er für die politische und weltanschauliche Erziehung der Bevölkerung zuständig, hatte alle gegen die Partei gerichteten Handlungen und Veranstaltungen – wenn notwendig mit Hilfe der Polizei und der Gestapo – zu unterbinden. Die Kreisleitung stellte nicht nur eine innerparteiliche Gewalt dar, sondern war auch im staatlichen Bereich Überwachungs- und Kontrollinstanz. Die 1935 eingeführte neue Gemeindeordnung erlaubte ihm ein Mitspracherecht bei der Einsetzung von Bürgermeistern und Gemeinderäten. Sie war zwar gegenüber Bürgermeistern und Landräten offiziell nicht weisungsbefugt, gegen ihre Absichten wurde jedoch auch nicht entschieden. Möglich war es, dass ein Bürgermeister gleichzeitig auch das Amt des Kreisleiters besetzen konnte, wie das beispielsweise in Villingen für einige Jahre durch Hermann Schneider oder in Freiburg durch Franz Kerber der Fall war.
Im vorliegenden Buch werden auf einer Karte 140 Kreise dargestellt. Die Anzahl der Kreisleiter von 1928 – 1945 war jedoch ungleich größer, da oftmals mehrere Personen in diesem Zeitraum den Posten besetzte. In einem kurzgehaltenen biographischen Abriss – meist mit Foto – werden die Kreisleiter vorgestellt. Mit unterschiedlicher Ausführlichkeit werden Daten zur Person und Hinweise auf die berufliche Tätigkeit gegeben. Detaillierter wird auf die parteipolitische Laufbahn eingegangen, wobei es sich zeigt, dass die Kreisleiterstelle oftmals nur eine unter weiteren Parteiämtern im Laufe der NS-Zeit war. Ergänzt wird der Abriss zur Person durch erfolgte Spruchkammerurteile, Hinweise auf Internierungen, juristische Auseinandersetzungen und Eingliederungsversuche in der Nachkriegszeit. Das Freiburger Staatsarchiv und das Generallandesarchiv in Karlsruhe werden neben entsprechender Fachliteratur als bevorzugte Quellen für die personenbezogenen Recherchen genannt.
Mit dem 145 seitigen Buch bekommt der an nationalsozialistischer (Heimat)Geschichte interessierte Leser ein Nachschlagewerk an die Hand, in dem er sich rasch und faktenreich über die im lokalen Bereich äußerst einflussreiche Position eines Kreisleiters informieren kann.
Wolfgang Heitner

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